Simon-Knoll-Platz, München 2012

Skulpturen an der Berufsfachschule für das Hotel-, Gaststätten- und Braugewerbe
Simon-Knoll-Platz, München 2012

Metallisch kühl und doch leidenschaftlich durchglüht bevölkern 6 Figuren den Innenhof der Berufsschule. Bäcker, Konditor, Koch, Kellner und Metzger in Bronze, aufgepfropft auf Stahlträger. Säulenheilige ohne Unterleib. Nur die Brauerin hat ein Fass. Die Gestik elegant, aber immer bedenklich in Wallung. Dem Kellner explodiert das Tischfeuerwerk im Kopf. Er wirft seine Gläser eher, als daß er sie dem Gast kredenzt. Der Bäcker hat wohl, seinem Toasterteint zufolge, kuschlige Zeiten im Ofen verbracht, mit seinem Brot. Der Konditor ist sich selbst die schönste Torte, die Ohren fledermausartig aufgespannt um zuckriges Lob zu empfangen. Wer sind die? Zunftzeichen. Begeisterte wie Begeisternde. Dialektisch und komisch -zwischen Dienstleistung und Lehre.

Thaddäus Hüppis Thema ist Bewegung. Als Bildhauer arbeitet er mit dem Paradoxon, Lebendigkeit in eine feste Form zu gießen. Er kennt sich aus in der Kunstgeschichte und mit sakralen wie profanen Bildergeschichten. Er weiß, daß man sich, um die Bewegung in einer statischen Figur zu erfassen, selbst bewegen muss. Sein Thema ist also nicht nur die Figur, sondern auch der Betrachter, zufällige Flaneur, der ins Bild gerät und zum Mitspieler wird, weil er oder sie das Ensemble der Figuren ergänzt.

Der Nachwuchs sollte wissen, daß um die Ecke, in der Zeppelinstraße 3, Karl Valentin geboren ist. Der Ausnahmekünstler, der von Bert Brecht bis Helge Schneider über Generationen präzise Beobachter und Künstler beeinflusst hat. Guckt euch dessen Sketche an und seid pünktlich am Ausbildungsplatz. Eilt an Hüppis merkwürdig vergeistigten Figuren vorbei und nehmt euer Leben in die Hand. Mit allem Irrsinn und jedem leibhaftigen Ernst.

Prof. Else Gabriel

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