„Schauinsland“

„Schauinsland“ Galerie Fluchtstab, Staufen, 2007

Ein „Schimpfer“ mit Gipskopf und aufgeregt blinkenden Augen
Ausstellung in der Galerie Fluchtstab in Staufen: Der Künstler Thaddäus Hüppi hat eine fiktive Welt geschaffen, in der sich kuriose und fantastische Wesen tummeln

Dorothee Möller-Barbian, Badische Zeitung, 27.2.2007

Die Galerie Fluchtstab ist bekannt für die Präsentation anspruchsvoller Kunstwerke. Muss es deshalb befremden, wenn in der neuen Ausstellung einer dasitzt – Bildzeitung und Bierkasten in greifbarer Nähe – und Schimpfkanonaden auf niedrigstem Niveau abspult, sobald man sich näher mit ihm befasst? Nein, muss es nicht. Der „Schimpfer“ mit Gipskopf, strohgefüllten Gliedmaßen und aufgeregt blinkenden Augen hat zwar im realen Leben so manches Pendant, ist aber doch nur Teil einer fiktiven Welt, in der sich Wesen tummeln, die man kurios, fantastisch oder satirisch nennen mag. Sie sind alles zusammen und noch einiges mehr. Thaddäus Hüppi hat diesen heiteren kleinen Kosmos geschaffen, ihn zu besichtigen wird kaum ohne ein Lächeln auf den Lippen gelingen. Und auch nicht ohne Staunen über die verblüffende Wirkung, welche der Künstler mit oft nur minimalem Einsatz gestalterischer Mittel erzielt. Da hat ein kleiner Pinsel einen Kopf aus Kunstharz durchstoßen, um den Hals trägt das malerische Geschöpf eine Palette. Das Ganze lässt sich dann, wie in der Galerie geschehen, gut in einer Ecke aufspießen. Eines von Hüppis wundersamen, großäugigen Gesichtern ist am Rand einer Scheibe reduktionistisch und deshalb umso effektvoller in Szene gesetzt. Die kugeligen, immer neu variierten Augen seiner Figuren sind so etwas wie das Markenzeichen des 1963 in Hamburg geborenen und in Baden-Baden lebenden Künstlers.
„Schauinsland“ lautet der vieldeutige Titel der Ausstellung. Es ist das Land der Fantasie, das Hüppi betritt und mit Früchten in Form von Elfen, Trollen und Scherzbolden zurückkehrt – so die bildhafte Erläuterung von Hüppis Werk bei der Vernissage durch Udo Klein, Karlsruhe. An seine Ausbildung zum Bau- und Möbeltischler schloss Thaddäus Hüppi ein fünfjähriges Kunststudium an und stellte sich dann die Frage „Was kann ich machen, das es noch nicht gibt?“ Die Feststellung, dass die Figuration damals auf dem Kunstmarkt nicht präsent war, lieferte ihm die Antwort. Seither fließen die Ideen ungehindert, weil er ihnen nichts in den Weg stellt. Entsprechend vielgestaltig sind seine Arbeiten. Dazu zählen auch Zeichnungen. In Mischtechnik lässt er etwa Köpfe mit aberwitzigen Auswüchsen und langen Nasen entstehen. Da muss dann auch nicht jedes dieser Bilder seinem eigentlichen Format entsprechend aufgehängt werden. Unbedingt nach korrekter Hängung verlangt hingegen die aus Majolika gefertigte Wandlampe. Vor rotem Hintergrund leuchtet die weiße Maske eines Fabelwesens, aus dessen Kinn ein Schelmengesicht wächst. Es geht eine eigene Magie von diesem Objekt aus, die sich im abgedunkelten Raum noch verstärken mag. Dualität offenbart sich auch in der Figur des Majolika-Brunnens. Von archaischer Kraft ist sie, schaut vom Rand der Brunnenschale mit großen Augen in weite Fernen. Bei näherem Hinsehen entdeckt man: Es sind gar keine Augen, sondern goldglänzende Gesichter mit Wasser speienden Mündern. In ihrem eigentümlichen Ausdruck ähnelt diese Figur jenem „Golem“ , der seit vergangenem Jahr am Zoll der Autobahn bei Rheinfelden die nach Deutschland Reisenden begrüßt.
Mit diesem Werk war Hüppi siegreich aus einem vom Bundesverkehrsministerium ausgelobten Wettbewerb hervorgegangen. Er ist überdies Träger des Kunstpreises der Stadt Baden-Baden und der Stadt Bühl. Von ihm stammt auch die Bronze-Edelstahl-Plastik am Freiburger Wiehre-Bahnhhof. Die Ausstellung in der Galerie Fluchtstab in Staufen dauert bis zum 18. März.